Unsicher wie gefährlich es ist, dein Unterfangen weiter fortzusetzen, lässt du dich auf einer der Treppenstufen nieder und blinzelst verängstigt im Kreis. Die Brille, die aufgrund der Hitze ohnehin schon einen Zustand der Dauerbeschlagenheit angenommen hat, verfärbt sich zusätzlich noch milchiger und nun bringt auch das Auf und Niederschlagen der Augenlider keinen nachweislichen Seherfolg mehr ein. Das Brummen hingegen, scheint sich nicht mit solchen Problemen herumschlagen zu müssen, denn es wächst und gedeiht gegenüber deiner voranschreitenden Sehbehinderung. Das einzige was bei dir zunimmt, bis auf deine Angst in eine brenzlige Situation zu geraten. Das Brummen wird tiefer, das Brummen kommt immer näher, das Brummen ist schon fast da. Und schließlich, du wischst bereits über die Gleitsichtgläser deiner Brille, wie die nervösen Gummiblätter über die Windschutzscheibe eines alten Golfs, steht das Brummen genau hinter dir.
Ob es wohl kurz vorbei könnte, fragt es dich höflich und schreitet auch schon weiter. Verliert wieder an Tiefe, Größe und schließlich auch an Gestalt. Und du denkst, schon lange nicht mehr ein solch höfliches Brummen gesehen zu haben. Wenn überhaupt schon jemals ein solch Liebenswertes dabei gewesen sein sollte. Es mag durchaus sein, dass das Brummen sogar ein wenig gezwinkert hat. Beschwören würdest du es nun zwar nicht mehr wollen, du bist aber generell eher ein Abschwörer, doch nun ja, es ist wie es ist. Nicht wahr?
Komisch nur, dass das Brummen so menschlich ausgesehen hat. Die Stiefel, der Spazierstock, irgendwie könntest du das Alles rechtfertigen. Aber die Schirmkappe, die gibt dir schwer zu denken. Noch dazu aus braunem Kord. Zeig mir ein wirklich ernstzunehmendes Brummen, sagst du ganz trocken zu dir selbst, dass bei einem Spaziergang zur Mitte der Erde eine Schirmkappe aus braunem Kord trägt. Betrübt stellst du fest, dass auch in diesem Bereich auf Erden einfach nichts so ist, wie es früher einmal war und verstehst zum ersten Mal deinen Vater. Deinen Vater, wenn er mit Predigerstimme lobt, wie die Zeiten waren und längst nicht mehr sind. Und wie er freudestrahlend erzählt wie schön es war, damals, zu Fuß zu marschieren, die nächsten zwanzig Kilometer zur Schule, und das bei einem Meter Neuschnee. Jeden Tag. Jetzt weißt du er hat Recht, und grübelst über den Schnee nach, den du selbst so gut wie nie zu Gesicht bekommst. Für soviel Neuschnee lohnt es sich ein Wagnis einzugehen. Wenn nicht für Schnee, für was denn dann, pflichtest du dir selbst bei und setzt deinen Weg fort. Erinnert an dein Vorhaben, das Rätsel des Klimawandels zu ergründen.
Immer noch ist links der Weg an dem zu rütteln es nicht gilt. Weil es nicht geht und weil es scheinbar nun mal so vorher bestimmt ist. Das Magma um dich herum nimmt noch wärmere Rottöne an, gibt auch etwas mehr Wärme ab, als zu Anfang deiner Reise. Du denkst, dass man Magma eben mag, aber dass du bis jetzt auch ganz gut ohne glühende Substanzen ausgekommen bist. Ausgenommen der glühenden Verehrung die du für deine Lehrerin in der zweiten Klasse der Volksschule Grinzing gehegt hattest. Frl. Fritzchen hieß die Gute und noch heute treibt dir ihr Bild im Kopf die Röte in die Wangen. Sie war die Frau deines Lebens, die Frau die man nur einmal trifft! Dann vielleicht täglich, außer Samstag und Sonntags, für vier Jahre, aber alleine, was bringt es, wenn man nicht älter las zehn ist, und Frl. Fritzchen verlobt mit dem stellvertretendem Leiter der Zentralsparkasse? Noch immer frustriert dich der Gedanke an diese traurige Phase deines Lebens. Du warst froh, die Volksschule endlich verlassen zu können und Größerem entgegen zu schreiten. Bliebst aber förmlich postwendend an Frl. Schmiedinger hängen. Der Musikprofessorin, die die Unterstufen deines Gymnasiums betreute. Eine schöne Frau, für wahr. Die Haare, zu einem strengen Knoten in Nacken gedreht, deuteten auf Spanischen Wind hin. Schwarz und glänzend wie die Nacht dunkel ist. Nur der Name rasselt etwas in den Ohren, wie Blechdosengeschepper hinter Hochzeitslimousinen. Aber mochten die anderen Jungs nur wählerisch sein, du konntest mit geschlossenen Augen ganz gut so tun, als ob Fr. Schmiedinger im wirklichen Leben Sig. Castagnella heiße und Zitronenpflückerin und Flamencotänzerin an der südlichen Agave sei. Tag und Nacht, Nacht und Tag_deine kleinen Bubenphantastereien hingen ihr am sinnlichen Mund. Doch auch sie war vergeben und versprochen. Zwar nicht dem Stierkämpfer Antonio, doch immerhin dem reichen Heurigenwirt Ferdinand Schober, den von der Angel zu lassen sie verständlicherweise nicht gewillt war.
Mittwoch, Jänner 31, 2007
Ab in die Mitte I
Wenn sich das Raum – Zeitkontinuum dann endlich verschoben hat, und den Blick auf das Innerste der Erde frei gibt, dann erklärt sich ein gewisses Kribbeln im Bauch ganz von selbst. Die Spalte ist tief, eher schon ein Krater, und rote Glut ziert die Wände, so tief hinab wie dein Auge_nblick reicht. Rinnt gleichförmig in kleinen Rinnsalen die Erdkruste hinab, um anzukommen auf der anderen Seite. Ein überraschender Anblick denkst du, und bist erstaunt über diese Verwunderung. Immerhin ist Klimawandel in aller Munde. Ist Eisschmelze auch nicht mehr das was es einmal war. Ist sogar beim ORF schon bekannt, um wie viel schneller sich die Welt jetzt dreht.
Das im Winter die Vögel zwitschern, während sie in der warmen Jännersonne über die Gänseblümchenwiesen streifen. Munter herumhüpfend und jubilierend wie zur Maienhochzeit. Das im Juli der Eishagel die Kornähren fällt. So das sie sich auf verbrannter Erde ausstrecken, wie verwundete Soldaten, sich tod stellen, nicht auffallen wollen. Oder umfallen. Das der Sommer kein Sommer mehr ist, und der Winter kein Winter.
Aber jetzt wo du des Rätsels Lösung gar so nahe bist, wird das Kribbeln immer stärker. Und du überlegst ob es nicht vielleicht an der Wärme liegt, die die Erdspalte abgibt, dass dein Blut ein wenig aufkocht. Wie auch immer, es geht weiter. Muss es auch, den jetzt umzudrehen und dem Erdinneren die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wäre nicht nur nicht naseweis, sonder dumm. Im herkömmlichen Sinne. Es gilt Rätsel zu lösen, Wunder zu enthüllen und Antworten zu finden. Allein die Ausrüstung lässt dich zweifeln. Immerhin warst du auf solch einen herzerwärmenden Spaziergang nicht vorbereitet. Du trägst den alten Lodenmantel, wenigstens festes Schuhwerk und ein halb geschmolzenes Snicker mit dir herum und bist nicht sicher ob das alleine ausreichen wird für solch einen abenteuerlichen Ausflug. Doch frisch gekocht ist halb gewonnen und du setzt deinen Weg unerschüttert fort.
An der linken Seite befindet sich eine eng bemessene Wendeltreppe, die in alter Jules Verne Manier immer kleinere Formen annimmt und schließlich mit der Finsternis verschmilz, was dich nicht davon abhält genüsslich deinen Schokoriegel abzuschlecken, bevor er dir unter den Fingern zerschmilzt und pfeifend weiter hinab zu gleiten. Jesus und Maria rufst du innerlich, du wirst bestimmt berühmt werden. Einen Eintrag im Lexikon siehst du schon vor dir, und mit etwas Glück, das Privileg einer neuen Kaffeesorte den Namen geben zu dürfen. Karl – Werner Gold. Oder K.W. Gala. Ganz abgesehen davon, dass alle Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen. Die Weltgeschichte wird soeben neu erfunden. Du heftest dir ein Post - it ans Hirn, bei Rückkehr Papieraktien einkaufen. Vielleicht auch Druckertinte? Der Erfolg wird dein sein. Es wäre auch das erste Mal, dass sich in deinem Leben Glück und Zufall die Hand geben. Da passiert es sogar öfter dass sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Oja, du hast es selbst gesehen. Obwohl du selbst ja mehr der Typ zum Übersehen bist. Hast dich eingefunden in die Nebenrolle im Hauptleben und abgefunden mit dem Durchschnitt deiner eigenen Existenz. Aber dieser Zwischenfall auf dem Weg zur Schule, der mischt die Karten neu. Mal sehen was dir in die Hände fällt.
So schreitest du also die Treppe weiter hinab, das Licht wird düsterer, gleichzeitig nimmt die kribbelnde Hitze zu. Und du beschließt als erste Gegenmaßnahme, den alten Lodenmantel über Bord gehen zu lassen. Besser gesagt befestigst du ihn am Treppengeländer. Das Innere der Erde ist gut gesichert musst du zugeben. An einen grenzenlosen Fall ist nicht zu denken, nicht mal ein Durchfall liegt nahe. Das Geländer ist eng gestrickt. Die Kurven werden mit jeder Runde enger, die Treppe jedoch nicht steiler. Trotzdem dreht es dich schon ein wenig, denn du gehst seit zehn Minuten nach links und noch ist kein Ende in Sicht. Noch am überlegen ob du dich auch deinen Pullovers, den du aufgrund des eisigen Juniregens herausgekramt hattest, entledigen sollst, hörst du plötzlich ein Brummen, das dir durch Mark und Bein fährt.
Das im Winter die Vögel zwitschern, während sie in der warmen Jännersonne über die Gänseblümchenwiesen streifen. Munter herumhüpfend und jubilierend wie zur Maienhochzeit. Das im Juli der Eishagel die Kornähren fällt. So das sie sich auf verbrannter Erde ausstrecken, wie verwundete Soldaten, sich tod stellen, nicht auffallen wollen. Oder umfallen. Das der Sommer kein Sommer mehr ist, und der Winter kein Winter.
Aber jetzt wo du des Rätsels Lösung gar so nahe bist, wird das Kribbeln immer stärker. Und du überlegst ob es nicht vielleicht an der Wärme liegt, die die Erdspalte abgibt, dass dein Blut ein wenig aufkocht. Wie auch immer, es geht weiter. Muss es auch, den jetzt umzudrehen und dem Erdinneren die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wäre nicht nur nicht naseweis, sonder dumm. Im herkömmlichen Sinne. Es gilt Rätsel zu lösen, Wunder zu enthüllen und Antworten zu finden. Allein die Ausrüstung lässt dich zweifeln. Immerhin warst du auf solch einen herzerwärmenden Spaziergang nicht vorbereitet. Du trägst den alten Lodenmantel, wenigstens festes Schuhwerk und ein halb geschmolzenes Snicker mit dir herum und bist nicht sicher ob das alleine ausreichen wird für solch einen abenteuerlichen Ausflug. Doch frisch gekocht ist halb gewonnen und du setzt deinen Weg unerschüttert fort.
An der linken Seite befindet sich eine eng bemessene Wendeltreppe, die in alter Jules Verne Manier immer kleinere Formen annimmt und schließlich mit der Finsternis verschmilz, was dich nicht davon abhält genüsslich deinen Schokoriegel abzuschlecken, bevor er dir unter den Fingern zerschmilzt und pfeifend weiter hinab zu gleiten. Jesus und Maria rufst du innerlich, du wirst bestimmt berühmt werden. Einen Eintrag im Lexikon siehst du schon vor dir, und mit etwas Glück, das Privileg einer neuen Kaffeesorte den Namen geben zu dürfen. Karl – Werner Gold. Oder K.W. Gala. Ganz abgesehen davon, dass alle Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen. Die Weltgeschichte wird soeben neu erfunden. Du heftest dir ein Post - it ans Hirn, bei Rückkehr Papieraktien einkaufen. Vielleicht auch Druckertinte? Der Erfolg wird dein sein. Es wäre auch das erste Mal, dass sich in deinem Leben Glück und Zufall die Hand geben. Da passiert es sogar öfter dass sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Oja, du hast es selbst gesehen. Obwohl du selbst ja mehr der Typ zum Übersehen bist. Hast dich eingefunden in die Nebenrolle im Hauptleben und abgefunden mit dem Durchschnitt deiner eigenen Existenz. Aber dieser Zwischenfall auf dem Weg zur Schule, der mischt die Karten neu. Mal sehen was dir in die Hände fällt.
So schreitest du also die Treppe weiter hinab, das Licht wird düsterer, gleichzeitig nimmt die kribbelnde Hitze zu. Und du beschließt als erste Gegenmaßnahme, den alten Lodenmantel über Bord gehen zu lassen. Besser gesagt befestigst du ihn am Treppengeländer. Das Innere der Erde ist gut gesichert musst du zugeben. An einen grenzenlosen Fall ist nicht zu denken, nicht mal ein Durchfall liegt nahe. Das Geländer ist eng gestrickt. Die Kurven werden mit jeder Runde enger, die Treppe jedoch nicht steiler. Trotzdem dreht es dich schon ein wenig, denn du gehst seit zehn Minuten nach links und noch ist kein Ende in Sicht. Noch am überlegen ob du dich auch deinen Pullovers, den du aufgrund des eisigen Juniregens herausgekramt hattest, entledigen sollst, hörst du plötzlich ein Brummen, das dir durch Mark und Bein fährt.
Mittwoch, Jänner 24, 2007
Die Kraft von Wort und Schrift
Sicher kennt jeder die zwei Fragen, die einem Romanautor am häufigsten gestellt werden: Worum geht es in diesem Buch? Und ist es autobiographisch? Die Fragen und die Antworten darauf empfand ich noch nie als besonders interessant - Ist der Roman gut, dann ist beides irrelevant. […]; ein Erwachsener sollte auch wissen, dass es nicht darauf ankommt, ob ein Roman autobiographisch ist oder nicht – es sei denn er ist hoffnungslos naiv oder sonst wie unbedarft in der Welt der Literatur.
John Irving 1998,
Deutsch von Johannes Sabinski
„Garp und wie er die Welt sah, Ein Nachwort“
Oder mit anderen Worten, wenn dir meine Geschichte nicht gefällt, sag mir, was dich daran stört, und ich werde es so verändern, dass du sie glaubst. Die Kraft die sich aus einer Geschichte entfalten kann, die doch nur aus einer Summe von zusammengefügten Worten besteht, ist nahezu unermesslich. Beinahe magisch. Obwohl doch das Spiel mit den Worten eine eher nüchterne Angelegenheit darstellt, kann man sich mit nichts länger beschäftigen, als mit dem interpretieren einer Geschichte. Natürlich ein Wort bleibt ein Wort, ein Satzzeichen ein Satzzeichen und ein Rechtschreibfehler ein Rechtschreibfehler. Dativ, Genitiv, die Hand hebt sich zum gähnenden Mund. Es ist als ob Picasso uns etwas über Farbpigmente und die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten einer Leinwand näher bringen wollte. Erst wenn das Werk vollendet ist, bietet sich für Alle von uns der beste Teil des Dramas dar. Was kann ich in diese Geschichte, in dieses Bild, hineininterpretieren, und wer von uns hat am Ende Recht?
Obwohl ich niemanden von euch diesen kleinen Spaß verderben will, liegt es mir doch nahe, euch meinen Blick auf diesen Aspekt des Schreibens darzulegen. Nehmen wir doch nur mal an, du kennst eine Person, die wieder rum eine Person kennt, die ein Märchen verfasst hat. Würdest du sie anrufen und erstaunt fragen, ob sie letzte Woche wirklich eine Fee getroffen hat. Denk einen Moment darüber nach!
Obwohl ich es wundervoll und befriedigend finde, dass ihr euch alle so viele Gedanken um meine schriftlichen Ergüsse macht, würde es mich noch mehr freuen wenn ihr das Licht mal aus einer anderen Ecke darüber scheinen lassen würdet. Natürlich sollte man einen Anstreicher auch fragen warum er denn diese oder jene Wand gerade karmesinrot gestrichen hat, man sollte ihn aber auch aufgrund der Farbmischung, Pinselauswahl und Untergrundpräparierung loben.
Obwohl ich es schön finde, dass meine Erzählungen scheinbar so glaubhaft sind, rate ich euch doch an, mich im herkömmlichen Sinne, beim Wort zu nehmen. Stellen wir uns vor, wir treffen uns alle zu einem gemütlichen Abend. Ich erzähle euch die Neuigkeiten aus meinem Leben, die tags darauf in veränderter, wahrscheinlich dramatisierter Form, im Internet erscheinen. Glaubt das, was ihr aus meinem Mund habt.
Und zu guter Letzt…
Ich persönlich bin der Meinung, dass in jeder Geschichte ein kleiner Funke, und sei es auch nur der kleinste Teil des Ganzen, Wahrheit und Autobiographie steckt. Aber ihr wisst doch Leute, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
John Irving 1998,
Deutsch von Johannes Sabinski
„Garp und wie er die Welt sah, Ein Nachwort“
Oder mit anderen Worten, wenn dir meine Geschichte nicht gefällt, sag mir, was dich daran stört, und ich werde es so verändern, dass du sie glaubst. Die Kraft die sich aus einer Geschichte entfalten kann, die doch nur aus einer Summe von zusammengefügten Worten besteht, ist nahezu unermesslich. Beinahe magisch. Obwohl doch das Spiel mit den Worten eine eher nüchterne Angelegenheit darstellt, kann man sich mit nichts länger beschäftigen, als mit dem interpretieren einer Geschichte. Natürlich ein Wort bleibt ein Wort, ein Satzzeichen ein Satzzeichen und ein Rechtschreibfehler ein Rechtschreibfehler. Dativ, Genitiv, die Hand hebt sich zum gähnenden Mund. Es ist als ob Picasso uns etwas über Farbpigmente und die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten einer Leinwand näher bringen wollte. Erst wenn das Werk vollendet ist, bietet sich für Alle von uns der beste Teil des Dramas dar. Was kann ich in diese Geschichte, in dieses Bild, hineininterpretieren, und wer von uns hat am Ende Recht?
Obwohl ich niemanden von euch diesen kleinen Spaß verderben will, liegt es mir doch nahe, euch meinen Blick auf diesen Aspekt des Schreibens darzulegen. Nehmen wir doch nur mal an, du kennst eine Person, die wieder rum eine Person kennt, die ein Märchen verfasst hat. Würdest du sie anrufen und erstaunt fragen, ob sie letzte Woche wirklich eine Fee getroffen hat. Denk einen Moment darüber nach!
Obwohl ich es wundervoll und befriedigend finde, dass ihr euch alle so viele Gedanken um meine schriftlichen Ergüsse macht, würde es mich noch mehr freuen wenn ihr das Licht mal aus einer anderen Ecke darüber scheinen lassen würdet. Natürlich sollte man einen Anstreicher auch fragen warum er denn diese oder jene Wand gerade karmesinrot gestrichen hat, man sollte ihn aber auch aufgrund der Farbmischung, Pinselauswahl und Untergrundpräparierung loben.
Obwohl ich es schön finde, dass meine Erzählungen scheinbar so glaubhaft sind, rate ich euch doch an, mich im herkömmlichen Sinne, beim Wort zu nehmen. Stellen wir uns vor, wir treffen uns alle zu einem gemütlichen Abend. Ich erzähle euch die Neuigkeiten aus meinem Leben, die tags darauf in veränderter, wahrscheinlich dramatisierter Form, im Internet erscheinen. Glaubt das, was ihr aus meinem Mund habt.
Und zu guter Letzt…
Ich persönlich bin der Meinung, dass in jeder Geschichte ein kleiner Funke, und sei es auch nur der kleinste Teil des Ganzen, Wahrheit und Autobiographie steckt. Aber ihr wisst doch Leute, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Mittwoch, Jänner 17, 2007
Drachentöterin
Und wenn das weiße Licht zuckt und ruckelt, fühlst du dich frei und auch ein bisschen abenteuerlich. Ausgezogen um die Welt zu erobern, dem letzten Drachen das Fell abzuziehen und es dir daheim über die Zentralheizung zu tackern. Eine Heldin in schwarz-weißen Ringelstrupfhosen. Die Rauchschwaden, die dir die Luft zum atmen nehmen und Brennen an der Hornhaut verursachen, Nebelschwaden kurz vor der Drachenbehausung. Das schwarze Loch, das die nicht beleuchtete Bühne in den Raum frisst, der verborgenen Eingang der Höhle. Ein Warnschild. Vorsicht, freilaufender Drache.
Noch eine Trophäe, wirklich die Letzte. Ein Vorsatz, ein Entschluss. Nach heute ist Schluss damit. Nach Morgen. Spätestens aber nach nächster Woche. Die Schatzkammer ist voll von unnützen Gegenständen, nein, Erinnerungsstücken. Der Ballast nimmt zu. Der Platz, proportional dazu ab. Keine Zeit für nicht zielgerichtete Zeitvertreiber. Höchstens für einen zwischendurch. Halb neun in Österreich!
Da, dass wutschnaubende Unwesen. Du nimmst Maß an seinem Kopf, er würde sich gut über Billy machen. Das Ikea-Sideboard schreit förmlich nach solch einem Schmuck. Macht Massenmöbel individuell und kostet weniger als ein neuer Anstrich. Locken und braune Augen, passt zu deinem Stil. Höchstens achtundzwanzig Jahre jung, im besten Mannesalter. Wenn du Glück hast Arzt, so einer fehlt dir noch.
Bereit zum Angriff? Also lachen, tanzen und verdammt noch mal so aussehen, als ob man sich bestens amüsiert. Die langen Haare fliegen im Wind um die Wette und die Gliedmaßen räkeln und schütteln sich. Scheinen Musik auszuströmen, sind Musik. Die Zähne zeigen. Die Lippen schürzen, Bauch rein, Po raus. Du bemühst dich, mühst dich ab. Eine Plackerei. Schweiß am Haaransatz. Es wirkt. Angebissen.
Der Drache kommt näher und dein Schwert juckt in der Scheide. Nur nichts übereilen. Sein Vertrauen gewinnen. Du bist die weißgewandete Jungfrau, unschuldig und rein. Trübst kein Wässerchen, denkst nichts Böses. Du bist das Opfer. Sein Opfer. Er wittert und der Geifer steht ihm im Mund, um den Mund herum. Sein Schwanz zuckt und du kannst es fühlen. Meisterin deines Faches. Geblendet kommt er näher. Weiß nicht wo er lang läuft, wo er hin läuft, dass er ins Verderben läuft.
Er spricht mit dir, will dein Vertrauen gewinnen, du erkennst das doppelte Spiel. Spielst es mit. Läst dich treiben, nimmst es an. Die Herausforderung. Gehst darauf ein und mit. Mit, mit ihm in seine Höhle. Das schwarze Loch, tief im Inneren der Erde. Wo es dunkel ist und schlecht riecht. Nach Moder und Verwesung. Du riechst es, riechst schwer, bekommst schwer Luft. Die Luft ist viel zu dünn und erfüllt von dem Schmerz, den dieses Spiel bereitet. Kein lustiges Spiel, nicht unbeschwert. Es gibt immer einen Verlierer, aber du willst es nicht mehr sein. Warst es schon lange nicht mehr.
Der Preis eines ewigen Gewinners liegt in der Ermangelung der Freude am Spiel. Wer sich freut kann sich nicht konzentrieren, du weißt das. Die Gefühle stören hier nur. Erschrecken dich nur. Wer fühlt kann sich auch gleich selbst einen Arm abschneiden. Kann auch gleich freiwillig aus diesem Spiel ausscheiden. Sich selbst rauswerfen. Disqualifizieren.
Du fühlst nichts, aber du erkennst den Moment seiner Schwäche. Ziehst dein Schwert, stößt zu. Hast ihn erlegt, wiedermal. Bist in Gedanken schon im Baumarkt, kaufst Dübel um die Trophäe zu montieren. Wo fällt das Licht am schönsten ein? Die Zigarette danach. Die Siegerzigarette. Du überlegst auf Zigarren umzusteigen.
Es ist nur ein Deal, der perfekte Deal. Das weißt du eigentlich auch. Du weißt soviel. Viel zu viel. Du wärst viel lieber Nichtwisser und erinnerst dich wehmütig zurück an die Zeit in der du das Spiel noch für Ernst genommen hast. Für bare Münze und wahres Leben. In der du gespielt hast, des Spieles wegen und nicht wegen des Gewinnens. Aber mit der Einsicht kommt die Absicht. Du fühlst lieber nichts als Schmerz und wenn du dir selbst das Märchen von der starken Drachentöterin erzählst, tut es weniger weh.
Zuhause betrachtest du deine Auszeichnungen, wie sie da hängen, alle in Reih und Glied. Hätte eine von ihnen derjenige sein können der dir hilft dein Leben neu zu ordnen, damit du es nicht mehr ausschmücken musst mit Kram und Tand. Die Chancen dass es nicht so ist, sind höher als umgekehrt und auch das weißt du. Eigentlich spielst du nicht mehr. Du hast schon verloren.
Noch eine Trophäe, wirklich die Letzte. Ein Vorsatz, ein Entschluss. Nach heute ist Schluss damit. Nach Morgen. Spätestens aber nach nächster Woche. Die Schatzkammer ist voll von unnützen Gegenständen, nein, Erinnerungsstücken. Der Ballast nimmt zu. Der Platz, proportional dazu ab. Keine Zeit für nicht zielgerichtete Zeitvertreiber. Höchstens für einen zwischendurch. Halb neun in Österreich!
Da, dass wutschnaubende Unwesen. Du nimmst Maß an seinem Kopf, er würde sich gut über Billy machen. Das Ikea-Sideboard schreit förmlich nach solch einem Schmuck. Macht Massenmöbel individuell und kostet weniger als ein neuer Anstrich. Locken und braune Augen, passt zu deinem Stil. Höchstens achtundzwanzig Jahre jung, im besten Mannesalter. Wenn du Glück hast Arzt, so einer fehlt dir noch.
Bereit zum Angriff? Also lachen, tanzen und verdammt noch mal so aussehen, als ob man sich bestens amüsiert. Die langen Haare fliegen im Wind um die Wette und die Gliedmaßen räkeln und schütteln sich. Scheinen Musik auszuströmen, sind Musik. Die Zähne zeigen. Die Lippen schürzen, Bauch rein, Po raus. Du bemühst dich, mühst dich ab. Eine Plackerei. Schweiß am Haaransatz. Es wirkt. Angebissen.
Der Drache kommt näher und dein Schwert juckt in der Scheide. Nur nichts übereilen. Sein Vertrauen gewinnen. Du bist die weißgewandete Jungfrau, unschuldig und rein. Trübst kein Wässerchen, denkst nichts Böses. Du bist das Opfer. Sein Opfer. Er wittert und der Geifer steht ihm im Mund, um den Mund herum. Sein Schwanz zuckt und du kannst es fühlen. Meisterin deines Faches. Geblendet kommt er näher. Weiß nicht wo er lang läuft, wo er hin läuft, dass er ins Verderben läuft.
Er spricht mit dir, will dein Vertrauen gewinnen, du erkennst das doppelte Spiel. Spielst es mit. Läst dich treiben, nimmst es an. Die Herausforderung. Gehst darauf ein und mit. Mit, mit ihm in seine Höhle. Das schwarze Loch, tief im Inneren der Erde. Wo es dunkel ist und schlecht riecht. Nach Moder und Verwesung. Du riechst es, riechst schwer, bekommst schwer Luft. Die Luft ist viel zu dünn und erfüllt von dem Schmerz, den dieses Spiel bereitet. Kein lustiges Spiel, nicht unbeschwert. Es gibt immer einen Verlierer, aber du willst es nicht mehr sein. Warst es schon lange nicht mehr.
Der Preis eines ewigen Gewinners liegt in der Ermangelung der Freude am Spiel. Wer sich freut kann sich nicht konzentrieren, du weißt das. Die Gefühle stören hier nur. Erschrecken dich nur. Wer fühlt kann sich auch gleich selbst einen Arm abschneiden. Kann auch gleich freiwillig aus diesem Spiel ausscheiden. Sich selbst rauswerfen. Disqualifizieren.
Du fühlst nichts, aber du erkennst den Moment seiner Schwäche. Ziehst dein Schwert, stößt zu. Hast ihn erlegt, wiedermal. Bist in Gedanken schon im Baumarkt, kaufst Dübel um die Trophäe zu montieren. Wo fällt das Licht am schönsten ein? Die Zigarette danach. Die Siegerzigarette. Du überlegst auf Zigarren umzusteigen.
Es ist nur ein Deal, der perfekte Deal. Das weißt du eigentlich auch. Du weißt soviel. Viel zu viel. Du wärst viel lieber Nichtwisser und erinnerst dich wehmütig zurück an die Zeit in der du das Spiel noch für Ernst genommen hast. Für bare Münze und wahres Leben. In der du gespielt hast, des Spieles wegen und nicht wegen des Gewinnens. Aber mit der Einsicht kommt die Absicht. Du fühlst lieber nichts als Schmerz und wenn du dir selbst das Märchen von der starken Drachentöterin erzählst, tut es weniger weh.
Zuhause betrachtest du deine Auszeichnungen, wie sie da hängen, alle in Reih und Glied. Hätte eine von ihnen derjenige sein können der dir hilft dein Leben neu zu ordnen, damit du es nicht mehr ausschmücken musst mit Kram und Tand. Die Chancen dass es nicht so ist, sind höher als umgekehrt und auch das weißt du. Eigentlich spielst du nicht mehr. Du hast schon verloren.
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