Sonntag, Februar 11, 2007

Surprise, Surprise


Man glaubt es kaum, man kann es nicht fassen, man ist (über)bestürzt vor Freude. Und wenn es ihnen schon so geht, wie glauben Sie habe ich mich erst gefühlt? Nach mehrmonatiger Abwesenheit, einer überstürzten Flucht und nichts als einem Post-it als Abschied, wurde endlich eine Nachricht von Hr. Pinokkeles angespült. Was auf dem Schmierzettel stand?

Bin mit Punchal auf in die Heimat. Auf uns wartet ein besseres Leben. Wir lieben
uns und schicken Photos vom Nachwuchs. In ewig ein Mitbewohner(deines
Herzens),
Peavy!
Und nun endlich, nach langem Warten, Bangen und Hoffen die ersten bedeutsamen Zeilen meines geliebten Kaninchens, der sich aufmachte um die Welt zu erobern. Was da geschrieben stand?
Katzen sind scheiße! Bin
in einer Woche zu Hause, besorg' was zu kiffen! Bis bald,
P.

Legenden...

Es ist schwer vom Glück zu erzählen, wenn es für jemanden selbst schon mehrere Jahre zurück liegt, den wolkenlosen Himmel gesehen zu haben. Und noch schwerer, wenn man dann, nach eingehendem Nachdenken, feststellen muss, dass selbst dieser Himmel nur ein Schattenbild war.

Also haben wir Alle nur die Wahl zwischen diesen zwei Arten sich Selbst zu zerstören. Die Wahl zwischen zwei Arten zu lieben...

Du liebst einen (A)Mann, du liebst ihn bedienungslos, forderst NICHTS im Gegenzug dazu. Erhälts auch nur das was du forderst, im besten Fall. Du liebst ihn aufgrund seiner Wildheit und Entschlossenheit. Liebst ihn aufgrund dessen, was er ist. Ein unbezähmbares Tier, das, auch wenn es dir Zuneigung entgegen bringt, dir doch nie gehören wird. Immer wild sein wird. Du bleibst einsam und unverstanden!

Du entscheidest dich, wahrscheinlich wider besseren Gewissens, für einen (B)Mann, den du niemals respektieren wirst. Jemand der dich ungefragt, auf bloßen Händen in den Himmel tragen wird. Ein Himmel, der für dich immer nur unerträglich heiß und langweilig sein wird. Er wird dir jeden Wunsch von den Augen ablesen und dich doch niemals ganz ergründen können. Du bleibst einsam und unverstanden.

Oder C: Du bleibst einsam, aber wenigstens dir Selbst treu. Du wirst alleine sein, aber wenigstens verleugnest du dich nicht. Du wirst wahrscheinlich ebenfalls einsam und unverstanden sterben!

Doch wenn sich jemals wieder wolkenloser Himmel zeigen sollte, dann weißt du, die Sonne scheint nur für dich!

Best of presents...

Der eindeutige Vorteil daran ein Jahr älter zu werden, liegt in den vielen, vielen tollen Geschenken, die man danach sein Eigen nennen darf. Oder eigentlich auch davor, ist ja noch nicht ganz soweit! Da haben sich heuer einige Leute große Gedanken zu diesem Thema gemacht und einen Querschnitt durch all meine Freizeitbeschäftigungen gezogen...

Das erstePackerl, quadratisch, praktisch, gut, war aus Hartpapier und nennt sich weitläufig "Buch". Toll, hatte ich bisher noch nicht! (Etwas mit dem man mir immer eine Freude machen kann, obwohl es sich für entferntere Freunde, die nicht gerade in meinen Bücherregalen Staub wischen, zunehmend schwerer gestaltet, eines zu finden, welches ich noch nicht kenne)

Das zweite Geschenk, klein, glitzernd und mit vielen Glasperlen, nein kein Traumfänger, sondern eine einnehmende Halskette, die meinen Geschmack voll getroffen hat. Danke (Trommelwirbel, du wirst wieder namentlich erwähnt) Angie!

In der Reihe setzte sich das Auspacken fort, Ritsch Ratsch - Papier ab und erstaunte, freudige Ohh und Ahh Ausrufe! Doch dann ... und das stimmt mich bedenklich ... was denkt mein Freundeskreis nur über mich, wenn man mir an meinem Ehrentag folgendes überreicht:

(noch dazu mit den Worten: Ich weiß du brauchst das)


SCHNAPSGLÄSER!


Schande über mein Haupt!

Donnerstag, Februar 08, 2007

Altern in Würde

Erich Maria Remarque; deutscher Schriftsteller (1989 - 1970)


Vergessen können ist das Geheimnis ewiger Jugend. Wir werden alt durch Erinnerung.
So nehme ich denn Abschied, schweren Herzens, von meiner Jugend, und gehe mit meinem Säckchen Erinnerungen tapfer weiter. Es gibt wahrscheinlich auch schlimmeres, als 25 zu werden. Das werde ich dann nächstes Jahr um diese Zeit feststellen!!
Ist euch eigentlich dieser Oldie: "Ich zähle täglich meine Sorgen" bekannt? Kann man den wohl auch auf Falten umlegen? (Ich zähle täglich meine Falten, denn ich falt' mich sehr?)

Mittwoch, Februar 07, 2007

Ab in die Mitte V

Du durchwanderst ein Tor aus schwarzem Gestein und bewunderst noch die ursprüngliche Architektur. Da breitet er sich vor dir aus und nimmt dir fast dir Luft zum Atmen. Ein riesiger See aus glimmender Flüssigkeit, hier und da brodelnd und ein schmaler Grat der direkt in dessen Mitte zu führen scheint. Unbekümmert gehst du weiter und befindest dich bald auf dieser winzigen Plattform, mitten im Leben. Es erstaunt dich nicht wenig hier ein solches Objekt zu sehen. Eisen in den Stein gegossen. Unerschütterlich verwurzelt, den Jahren und Jahrzehnten trotzend die kantige Form entgegenreckend. Das letzte Mal, dass du solch ein Ding benutztest, liegt weit zurück. Es war in der Volksschule, eine Exkursion auf den Kahlenberg, wo man solche Ferngläser mit glitzernden Münzen füttern musste, um sich ihre Dienste zu sichern. Wer hätte es gedacht, sogar im spirituellen Brennpunkt herrscht Profitgier vor. Besorgt, denn all dein Kleingeklimper liegt mehrere Etagen höher, in der rückwärtigen Hosentasche deiner Jeans, nimmst du die Touristenattraktion näher unter die Lupe. Nein, sieh mal an, die Götter der Unterwelt erweisen sich gnädiger, als gedacht. Der erste Blick durch das magische Kaleidoskop ist kostenlos. Hoffentlich nicht umsonst. Jetzt musst du dich doch für einen Moment setzten.

Spekulierst, was wird dich wohl erwarten? Was ist der Sinn des Lebens, wen oder was wirst du am anderen Ende der Röhre sehen? Gott? Einen Auftrag? Deine Zukunft? Der Mut verlässt dich, obwohl die Neugierde nicht abnimmt. Allein, will man wirklich wissen, was im Leben auf einen zukommt. Möchte man das erfahren, was sonst keiner weiß? Sich heraus heben aus der breiten Masse? Um den Preis, dann noch einsamer zu stehen, als zu Beginn der Reise? Du überlegst!
Hinter dir nimmt die Geräuschkulisse zu und du wendest den Kopf. Überrascht, aber dann doch nicht wirklich, sie Alle hier vereint zu sehen. Das Brummen, das Johlen, das Fiepen. Senior, Teenager und Junior! Ein flottes Gespann. Sie wollen dir etwas sagen, rufen und raunen dir etwas hinter die Ohren. Nur zu, nur zu! Nun trau dich doch! Und obwohl du deine Brille abgelegt hast siehst du endlich klar. Siehst den winzigen Teil von dir, in ihnen. Die Zeit vergeht und wird nicht still stehen, auch nicht für dich. Also nutzt du sie und rappelst dich erneut auf.

Zwei Schritte vor dir die Antwort auf all deine Fragen. Und mit neuem Mut gehst du voran und wagst den Blick, gefasst alles zu sehen, was auch immer es sein mag. Genug Versteck gespielt, genug gesucht, du bist bereit zu finden. Und was erblicken deine wandermüden Augen nun endlich.

Niemand anderen als dich selbst, in winziger, spiegelverkehrter Pose. Da lacht der kleine Spiegel-Karl-Werner und hebt erfreut die Hand zum Gruß. Zwinkernd winkt er dir zu und formt den Mund zu Worten die du mehr fühlst, als hörst. Gut gemacht!

Ab in die Mitte IV

Und da denkst du, welch ein Glück, dass es endlich passiert. Da wird dir erst klar, wie lange du schon nach diesem Weg ausgeguckt hast, gesucht hast. Wohin gehen, wo einbiegen, links oder rechts, vor oder zurück? Nun hast du einiges an Strecke zurück gelegt und allmählich fast dein gesamtes Leben Revue passieren lassen. Auch wenn noch nicht viel davon vorbei ist, so war dir doch nie klar warum die Dinge so liegen, wie sie sich nun mal vor dir ausbreiten. Ähnlich einem irrwitzigem Mikadospiel, bei dem du immer wissen wolltest, wie du es schaffen könntest, an den bunten Zwanzigpunkte-Stock heran zu kommen, ohne die anderen zu bewegen, möchtest du nun endlich erfahren, warum diese verfluchten Stäbchen überhaupt so wirr in der Gegend herum faulenzen. Da hat sich plötzlich die Spalte aufgetan, vor deiner Nase, am Weg zur Bildungswerkstatt, so unvorhergesehen, wie Tulpen im Jänner. Der Klimawandel ist schuld. Schuld, dass alles sich gewandelt hat, dein ganzes Leben. So als ob Vollmond alleine für dich nicht gereicht hätte. Nein, du brauchtest einen Extraschubs in die richtige Richtung. Da hast du nun endlich eingesehen, dass es egal zu sein scheint, ob Menschen die dein Leben kreuzen nun Beate, Elisabeth oder L. Freudmann hießen. Weil am Ende da stets bloß nur ein Einziger bleibt. Karl-Werner! Karl-Werner in Shorts und T-Shirt, denn die Wärme steigert sich in brütende Hitze. Und die 501'er schmiegt sich elegant an eine Treppenstufe. Stonewashed, im wahrsten Sinne des Wortes. Only the Lonely pfeifst du vor dich hin, und wunderst dich selbst über deine Sorglosigkeit. Warum du jetzt gerade an Del Shannon denken musst, ist dir nicht ganz klar, aber wen kümmert es denn schon? Ist ja niemand in der Nähe, der dir deine Vorliebe für alte, englische Schlager vorwerfen könnte.

Immer tiefer tapst du, nur in Unterwäsche, und trotzdem wird die Hitze immer unerträglicher. Lässt dich an den heißen Sommer 2003 denken. Mann, war das ein Jahr, war das ein Sommer. Jeden Tag am Stausee, ständig unter der glühenden Sonne, wenn man die Augen geschlossen hielt, konnte man sich nach Griechenland träumen. Ans blaue Meer, an einen weißen Strand, Kieselsteinstrand versteht sich. Da war so ein Gefühl von Gelöstheit in der Luft und natürlich Julia. Julia die diese süßen Sommersprossen hatte. Julia die immer mit einem alten Strohhut im Schatten lag und die sommerbesprosste Nase tief in ein Buch steckte. Julia, die dich wirklich mochte. Was für ein Sommer! Eiskaltes Bier aus der Kühlbox und eine Partie Schwarzer Peter, wenn es zum Schwimmen zu heiß war. Julias Rücken mit Sonnenmilch eincremen und noch ein Bier…
Sie hat dich wirklich gemocht, aber mit dem Herbst zog dieses Gefühl weiter, wie die Schwalben. Richtung Süden, immer mit der Sonne mit. Und Karl-Werner war wieder Karl-Werner, nicht mehr und nicht weniger.

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten, denkst du und bahnst dir weiter deinen Weg. Links, Links, Links herum. Only the Lonely! Die Brille ist inzwischen gänzlich unbrauchbar und wandert deswegen, schwups, gemeinsam mit dem Shirt über Bord. Darum siehst du nicht, hörst nur, wie ein Fiepen sich langsam den Weg bahnt. Daran hättest du denken können. Im Dreiergespann hat es schließlich noch gefehlt. Genau wie Kaspar, Melchior und Balthasar die größten Taten zusammen vollbrachten, genau wie die drei Musketiere stets zusammen hielten, vom Unterbewussten hin bis zum Über-Ich, es sind doch immer drei Geister die gerufen werden. Neugierig bist du nun schon etwas. Das Fiepen kommt näher, zögerlich doch stetig und robbt schließlich ganz langsam um die Kurve. Krabbelt im Strampelanzug dahin. Genauso unbekümmert wie du deinen Weg gehst. Zielstrebig! Fast da, denkst du. Es muss so sein und du fieberst dem Moment entgegen. Wie wird er wohl sein. Der Mittelpunkt der Erde, der Ursprung allen Lebens, des Rätsels Lösung?

Freitag, Februar 02, 2007

Ab in die Mitte III

Der Schmerz saß tief und rutschte in, dir bis dato noch unbekanntere Sphären, als aus Frl. Schmiedinger schließlich Fr. Schober wird. Da streifte sie das Flamencokleid ab, wie einen zu eng gewordenen Kokon, und schlüpfte in die neue Hülle. Eine dunkelgrüne Heurigenschürze, in welcher sie fortan aufgebackene Salzstangen mit Frühlingsaufstrich zu kredenzen dachte. Ihr Traum war erfüllt, der deine dahin, und in dieser traumlosen Periode deines noch jungen Daseins, sahst du Hoffnung auf Liebe schwinden.

Da auch jetzt die Frau deines Lebens noch fern, wenn auch hoffentlich schon in greifbarerer Nähe, ist, ziehst du weiter deine Kreise. Immer der Hitze nach, die dich an den Kachelofen deiner Großmutter erinnert. Es ist drückend und still und ein Gefühl, als wärst du der letzte Mensch auf der Welt. Alles steigert sich noch durch die Einsicht, wie verrückt dieses Unterfangen sich in zunehmender Art und Weise gestaltet. Verrückt bist du inzwischen längst. Nämlich noch weitere fünf Stock tiefer, wo das Magma bereits eine Spur schneller läuft als du selbst und lustige Schmatzgeräusche zurück lässt, wenn ein Tropfen den Weg in die Dunkelheit sucht. Da bricht ein Johlen die Lautlosigkeit und lässt dich aufhorchen. Die Stirn gerunzelt, die Hände an deinem flaumigen Kinnbart. Denkerpose! Doch jetzt nicht an den spärlichen Haarwuchs im Gesicht, der bei anderen Männern_Buben mit zwanzig ganz anders aussieht. Ein Johlen, das die Stufen hinab zu hüpfen scheint. Denkbar dass es den Anschluss an das Brummen verloren hat, doch das macht im sichtlich nicht zu schaffen. Völlig zufrieden hört es sich an, wie es so lauter und leiser werdend immer hörbarer wird. Sogar glücklich, etwas ausgelassen. Du bist gespannt es endlich zu sehen, mit eigenen Augen, gehst bereitwillig an den äußersten Rand der Treppe, um Zwischen_fälle zu vermeiden. Immerhin geht es tief hinab. Ein Sturz wäre tödlich. Und das noch im günstigsten Fall. Da hopst es auch schon beschwingt vorbei, tippt sich kurz mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand an den Kopf und rauscht vorüber. Ein Lächeln auf den Lippen ein Zucken im Mundwinkel. Diesmal hast du es genau bemerkt. Viel Spaß möchtest du rufen, willst aber nicht aufdringlich sein. Die Jeans standen ihm gut, dem Johlen, geben ihm einen jugendlichen Touch. Auch das schwarze T-Shirt. Alles in Allem ein recht angenehmer Eindruck. Schade, dass es so in Eile war. Nun Ja, wer bremst verliert, denkst du, und gibst selbst auch wieder mehr Gas. Zurück auf die Mittelspur und…nach links, klar, wohin auch sonst?

Wenn’s doch nur immer so einfach wäre fort zu kommen. Meist läuft es stockender, oder gar nicht, kriecht nur, und du stirbst tausend Langeweiletode, schon bevor der Weg überhaupt begonnen hat. Freilich, hier kommst du richtig in Fahrt, obwohl du ja doch nur bergab gehst, doch nur nach links und doch nur mit dir alleine. Aber das bist du gewohnt. Schließlich lief es auch mit der dritten Frau in deinem Leben nicht so optimal, wie du es dir erträumt hattest. Lisa hieß sie. Lisa, was für ein Name, selbst im Angesicht dieses Höllenfeuers jagen sich Schauder über deine Wirbelsäule. Spielen fangen und Räuber und Gendarm. L.I.S.A. Und sofort die zwei hübschen blauen Augen, die langen Haselnusshaare, die Goldfäden versteckten, und den kleinen Schmollmund, den zu küssen du nie gewagt hast. Brummen her, Johlen hin, wenn Lisa lacht, dann geht in dir die Sonne auf, denkst du. Warum nur hat sie das nie gemerkt? Zwei Reihen vor dir ist sie gesessen, volle vier Jahre lang, bis zur Matura. Sie hat sich nie umgedreht, sie hat dich nie nach einem Spitzer oder Radiergummi gefragt, sie hat dir nie eine Zigarette angeboten, am Pausenhof. Und obwohl du sie meistens nur von hinten gesehen hast, hast du ihr Gesicht auswendig aufzeichnen können. In schwarz-weiß, nicht nur einmal, dein ganzes Kinderzimmer war voll mit Lisaporträts. Immer wenn du Peter Cornelius hörst, musst du an sie denken. Und in jedem Kaffeehaus, in dem du in deinem bisherigen Studentenleben vorbei gekommen bist, und das waren doch mehrere, hältst du nach ihr Ausschau. Am Ende sitzt du doch alleine. Du bist es gewohnt.